Südtiroler Verwandtschaften
Lagrein, Sohn des Teroldego
Der Lagrein sei ein uneheliches kind des Teroldego und ein Bruder des Marzemino. Zudem seien die Mitglieder der Vernatsch-Familie - Großvernatsch, Grauvernatsch, Mittervernatsch - nicht miteinander verwandt, sondern sich nur zufällig so ähnlich. Und schließlich besäße auch der Gewürztraminer mehrere Heimstätten.
All dies ist kein Familienklatsch unter den Weingütern Südtirols, sondern entspricht vielmehr den neuesten Erkenntnissen der Forschung über Rebsorten-DNA.
Über den letzten Stand der Dinge informierte der aus Sion (Schweiz) stammende Wissenschaftlicher José Vouillamoz anlässlich der Mitgliederversammlung des Verbandes "Die Weingüter Südtirols". "Herkunft und Verwandtschaft Südtiroler und internationaler Rebsorten" war das Thema, zu dem die Wissenschaft mit einigen überraschenden Neuigkeiten aufzuwarten hat.
Untersuchungen an den Universitäten von Davis in Kalifornien und von Lausanne in der Schweiz sowie am Agrarinstitut von San Michele all´ Adige (Trentino) haben Erkenntnisse gebracht, die die bisherige Geschichte der Rebsorten weitgehend auf den Kopf stellen.
Der seit dem 16. Jahrhundert in Südtirol bekannte Lagrein ist und bleibt eine autochthone Rebsorte. So viel steht fest.
Etwas überraschend ist allerdings die Tatsache, dass einer seiner beiden Elternteile der bereits um 1480 erwähnte Teroldego aus dem Trentino ist. Den zweiten Elternteil konnte die Wissenschaft noch nicht identifizieren. Dafür weiß man, dass der Trienter Marzemino ebenfalls vom Teroldego abstammt und somit ein Bruder des Lagrein ist.
Der Traminer hat den Pinot in seinem Stammbaum und zeigt sich in zwei hauptsächlichen Erscheinungsformen: Dem Savagnin in Frankreich und dem Gewürztraminer in Südtirol. Tramin darf sich also weiterhin "Heimat des Gewürztraminers" nennen, wenn auch nicht mehr ganz so exclusiv.
Zum Vernatsch: Für José Voillamoz ist die Vernatsch-Familie eine Gruppe von Rebsorten, die unter gleichen Anbaubedingungen und Erziehungsmethoden gedeihen, aber untereinander genetisch verschieden sind. Genaueren Aufschluss darüber müssten aber erst weitere Untersuchungen geben.
Aus: Merum 03/05
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