Süßes Gold

Trinken Sie Süßwein? Ich schlürfe diesen vollen, geschmeidigen, honigartigen Tropfen liebend gerne. Verkaufen Sie welchen?

Süßwein, egal ob TBA (Trockenbeerenauslese), Eiswein, BA, Ausbruch oder Strohwein werden leider selten in der Gastronomie angeboten. Gründe dafür gibt es viele, vor allem die geringe Nachfrage, der hohe Einkaufspreis der guten Qualitäten tut sein Übriges dazu. Trotzdem sei an dieser Stelle eine Lanze für das süße Gold gebrochen, wo doch in Österreich viele Produkte von Weltruf erzeugt werden. Unsere Mehlspeisenküche erfreut sich ebenfalls internationaler Berühmtheit, und beides passt ja hervorragend zusammen.

Ein ganzes Flascherl an den mann zu bringen ist nicht gerade leicht, glasweise als 1/16-Liter angepriesen, wird sich der Erfolg einstellen. Schenken Sie die Süßweine ruhig in große Gläser. Der Gast weiß somit, dass der Wein kostbar ist und zudem kann sich der "Süße" bei mehr Raum natürlich auch viel besser entfalten. Kühl servieren, aber keinesfalls eiskalt, große Süßweine vertragen bis zu 16 Grad.

Wenn Sie es genau nehmen, so sollte die Süße des Desserts in etwa jene seines Begleiters wiederspiegeln. Bei zu großen Abweichungen kann das unharmonisch wirken. Abseits des Desserts begleitet das süße Gold natürlich auch Gänseleber und viele Pasteten. Zum Blauschimmelkäse ist es schon fast ein Muss, einen Süßwein zu kredenzen.

So ist es zumindestens beruhigend, dass Sie bei diesen Weinen wirklich keinen Verkaufsstress haben. Die selbe Kraft, die ihn langsam reifen lässt, erlaubt, die Süßweinflasche mehrere Tage lang offen zu halten.

Karl Lettner, PROST

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