Darf es wieder Restzucker sein? Ja bitte, würde ich meinen, her mit den paar Gramm nach Gärungsstillstand, die am Gaumen so schön schmeicheln können. Ganz besonders beim Traminer.

Der österreichische Weingeschmack ist im Wandel. Wet von den knochentrockenen Weißweinen hin zu etwas milderen Weinen. Vergleichen Sie Weine im Stile der Steirischen Klassik vor zehn Jahren (leicht, sehr säurebetont, ...) mit heute. Zum einen werden die Trauben heute öfter mit physiologischer Reife geerntet, zum anderen wird hohe Säure mit etwas Restzucker balanciert.

Bei Riesling im Smaragd (Spätlesebereich) ist Restzucker schon sehr häufig anzutreffen. Beim Traminer leider noch viel zu selten. Der Traminer, wenn er ganz trocken durchgegoren wird, kann leicht bitter wirken. Ziemlich sicher wird er die Erwartungen, die seine fein duftende Nase verspricht, am Gaumen kaum erfüllen. Damit er das kann, braucht er regelrecht etwas Restzucker, Schmalz im Mund. So ausgebaut, folgt dem verführerischen Duft, der tatsächlich oft an Rosen erinnert, ein noch eindruckvolleres Finale. Als Speisenbegleiter ist der Traminer übrigens sehr vielseitig und aufregend. Vor etlichen Jahren haben wir ein Kulinarium des OÖSV unter das Thema "Traminer" gestellt. Zu jedem der fünf Gänge wurde eine klassische Empfehlung und ein Glas Traminer gereicht. Alle Anwesenden waren verblüfft, wie großartig die verschiedenen Traminervarianten die einzelnen Gänge begleiten konnten. Beispiel gefällig: Gebratene Gänseleber mit "Gelber Traminer Auslese 99" von Knoll - ein Traum.

Aus: PROST-Journal

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